Am Donnerstag (wirklich erst vorgestern?) hab ich ein vom "Spiegel" empfohlenes Buch begonnen. In der Ubahn gelesen. Auf der Rolltreppe weitergelesen. Im Gang gelesen. Im Lift ins Büro gelesen. Am Abend in der Ubahn weitergelesen. Neben dem Abendessen gelesen. Den ganzen Abend durchgelesen. Um 23.45 ausgelesen.
Die vermeintliche Idylle in einem wohlhabenden Vorort von Hamburg. Pubertierende wohlstandsverwöhnte Teenies. Tai Chi und Feng Shui versessene Muttis. Ehrgeizige Väter, die sich selber beweihräuchern. Ein alkoholgetränkter Abend unter Teenagern, der entgleitet. Mißbrauch. Vertuschung. Mobbing. Die Mutter des Opfers ist hilflos. Der Vater des Täters will nur, daß der Sohn "begreift, wie schnell man sich ein ganzes Leben ruinieren kann" (S.163). Wohlgemerkt, das Leben des Täters. Nicht das des Opfers. Nur die krampfhafte Hoffnung, daß der Sohn sich jetzt doch bitte nicht die Chance auf den Oberarzt verdirbt.
Ein Gedanke am Rande: Ist doch interessant, diese obere-Mittelschichts-Angst vor der Globalisierung. Der permanente Wettbewerb. Lebensläufe bitte so glatt wie möglich. Und der Vater, der glaubt, er tut seinem Sohn einen Gefallen, indem er die ganze Sache unter den Teppich kehrt. Statt sich die Frage zu stellen, was hier schiefgelaufen ist und ob sein Sohn - der Täter - nicht ein ernsthaftes Problem hat.
"Er ist erleichtert, daß es vorbei ist unvergessen werden kann. Es ist ein gutes Gefühl, seinen Kindern ein guter Vater zu sein. Das gehört zu den Dingen, die wirklich wichtig sind im Leben, und darum zu kämpfen, wäre er jederzeit bereit. Nie würde er zulassen, daß man seinem Sohn schadet." (sensationell: hat sein Sohn nicht gerade jemand anderem geschadet?) und weiter: "Finn kann sich, und das weiß er ja auch, auf Christian verlassen, hundertprozentig. Nur in einer Atmosphähre von Vertrauen und Loyalität wachsen Kinder glücklich heran und werden zu aufrechten, erfolgreichen Menschen. Und nicht mehr und nicht weniger wünscht sich Christian Jensen für seinen Sohn, wie das ein jeder guter Vater täte." (S. 163/164.). Da rieselts mir wirklich eiskalt den Rücken hinunter. Was für eine sensationellen Autorin.
In welcher Atmosphäre wohl unsere Kinder heranwachsen? Werden wir es besser machen als die Eltern in dem Buch? Hoffentlich.
PS: Oups... ich wollte gerade den link von Amazon reinstellen, komm nun drauf, seit gestern, 11.2., gibts eine einstweilige Verfügung, weil sich eine Person in ihren Persönlichkeiterechten verletzt fühlt. Dh man kann das Buch dzt nicht kaufen. (http://www.kulturnews.de/knde/news.php?id=1681&artist=Tina%20Uebel)
Hier dann zumindest der Link zur Rezension: http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,742313,00.html.
Samstag, 12. Februar 2011
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