Samstag, 11. Dezember 2010

Die Gretchenfrage: wieviele Fernseher?

Samstag Vormittag, ich bin zu gaga, um mir die Zeitung vor der Wohnungstür zu holen und surfe im Internet. Hat weniger mit dem feuchtfröhlichen Abend mit Freunden zu tun (ok, den Whisky am Schluß hätten wir weglassen können), sondern mit dem Fakt, daß die Kleine von 3-5h Früh quasi durchgebrüllt hat, ohne uns aber sagen zu können, was los ist. Ich hab schon verzweifelt das Handbuch der Kinderkrankheiten durchforstet (Mittelohrentzündung? Magendurchbruch? Blinddarmreizung?) und war kurz davor, mit ihr ins Spital zu fahren. Aber eine banale Wärmeflasche hat letztlich Wunder gewirkt und gerade steht sie neben mir und unterhält sich mit ihrem Stoffhund. Anyway, mein Hirn ist heut nicht so ganz auf Hochtouren.
Deswegen grüble ich noch immer darüber, wieviele Kinder wirklich unter folgende Kategorie fallen: "hat akademisch gebildete Eltern und lebt in einem Haushalt ohne Fernseher, aber mit zwei Autos und ebenso vielen Handys".Weiteres: "Auch die Arbeitssituation der Eltern wurde erhoben. Die besten [PISA] Ergebnisse erzielten Haushalte, in denen der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit arbeitete."


Interessant, wie der PISA-Erfolg mit dem Handy zusammenhängt.
Und wieviele Leute gibt es wirklich, die keinen Fernseher haben?

Aber was mich schon nachdenklich macht, ist daß in welchem Ausmaß es die sogenannten bildungsfernen Schichten gibt (und vor allem wie sie ausgeprägt sind) - denn gäbe es sie nicht in der Form, könnte man ja kein statistisches Profil daraus entwickeln...

"Der schlechteste PISA-Schüler ist ein männlicher Migrant erster Generation, dessen Eltern nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen und in dessen Haushalt zahlreiche Fernseher, aber keine Bücher stehen. Sein Vater arbeitet Teilzeit, die Mutter ist arbeitslos. Autos sind ebenso wie Computer keine vorhanden, auch kein eigener Raum mit Bad oder Dusche. All diese Detailauswertungen zeigen, dass der familiäre und sozioökonomische Hintergrund einen wesentlichen Einfluss auf die Testergebnisse hat."

Lese ich das richtig? Das Familieneinkommen wird erbracht durch 1 Teilzeitkraft? Es gibt kein Badezimmer? Das ist ja unglaublich. Da kann man sich wohl wirklich nichts leisten, muß sich mit den 3 Fernsehern zudröhnen und spart wahrscheinlich gerade an den Dingen, die die Bildung ankurbeln wurden.
Aber ist das nicht trotzdem schockierend und ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft?


PS hier der ganze Artikel: http://diepresse.com/home/bildung/schule/617466/PISASieger_Weiblich-und-ohne-TV?_vl_backlink=/home/bildung/schule/612554/index.do&direct=612554

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