Dienstag, 23. März 2010

Provocation à la Francaise

Ein aktueller Bestseller, der, wenn er denn jemals auf Deutsch übersetzt wird, sicher ganz ganz hohe Wellen schlagen wird...

"Le conflit entre la femme et la mère" von Elisabeth Badinter.
ISBN-10: 2081231441, erschienen Anfang Februar bei Flammarion.

In Frankreich eine sehr bekannte Person, Philosophin in Beauvoir'scher Tradition. Übrigens keine typische alte Bissgurn, wie man sich vielleicht denken könnte, sondern verheiratet (mit dem Ex-Justizminister unter Mitterrand, wesentlicher Treiber für die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich) und hat Kinder und Enkelkinder.

Das Buch gibts (noch?) nicht auf Deutsch, aber hier ein paar Presseartikel:
http://www.guardian.co.uk/world/2010/feb/12/france-feminism-elisabeth-badinter


Ok, ich stimme nicht allem zu. Beispielsweise finde ich die Sorglosigkeit gegenüber dem Zigaretten- und Alkoholkonsum in der Schwangerschaft etwas befremdlich. Aber es gab so viele Sätze in diesem Traktat, die einfach "runtergegangen sind wie Öl":
* " Il semble qu'une sorte de halo illusoire voil e la réalité maternelle. La future mère ne fantasme que sur l'amour et le bonheur" (S. 25). Übersetzt: es scheint, als würde ein illusorischer Heiligenschein das die Realität der Mütter verdecken. Die werdende Mutter phantasiert nur über die Liebe und das Glück. - genau das hat mich an den herkömmlichen Schwangerschaftsratgebern immer so frustriert!
* "La Mutter allemande, la mamma italienne et la kenbo japonaise donnent une image mythique de la mère, à la fois sacrificielle et toute-puissante. A coté d'elles, la maman francaise et la mummy anglaise font bien pales figures" (S. 198). Übersetzt: Die deutsche Mutter, die italienische Mamma und die japanische Kenbo geben der Mutter ein mystisches Image, selbstaufopfernd und gleichzeitig allmächtig. Neben ihnen erscheinen die französische Maman und die englische Mummy sehr fahl.
* "[Les pays] d'Europe centrale ont des politiques visant à préserver le statu quo et la mode de famille traditionelle. [...] D'un point de vue strictement féministe, on distingue deux types de politiques familiales: celles qui prennent en compte les désirs personnels des femmes et celles qui ne le font pas." (S. 201/202). Übersetzt: Die Länder Zentraleuropas haben eine [Familien-]Politik, welche darauf abzielt, den status quo und die traditionelle Familie zu bewahren. [...] Aus strikt feministischer Sicht gibt es also zwei Typen an Familienpolitik: diejenige, die die persönlichen Wünsche der Frauen berücksichtigt, und die, die es nicht tut.
* "[...] ce sont les pays où le taux d'activité féminie est le plus haut qui affichent parallèlement les meilleurs taux de fertilité." (S.204) Übersetzt: diejenigen Länder, die die höchste weibliche Beschäftigungsquote haben, haben auch gleichzeitig die höchste Fruchtbarkeitsrate.

Liebe Elisabeth, vielen Dank für dieses Buch. Im Geiste war ich schon immer Französin... und dann kann ich auch damit leben, dass es in Paris keine Wickeltische gibt ;-)

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