Freitag, 5. März 2010

Kinderfreundliches Paris?


Was macht eine babyfreundliche Stadt aus?

* Wickelmöglichkeiten in jedem Lokal oder zumindest in Kaufhäusern

* Kindersessel in Lokalen

* Nichtraucher-Lokale

* Barrierefreier öffentlicher Verkehr

* Freundliche Einwohner

* Babybett im Hotel/Apartment

Paris:

* Wickelmöglichkeiten: Nada. unglaublich! nirgends! Dh Parks... auf dem Boden der Toilette... Mühsam.

* Kindersessel: dito.

* Nichtraucher-Lokale: yeah yeah

* Barrierefreier öffentlicher Verkehr: ja, in Bussen. Aber UBahnen: vergiss es.

* Freundliche Einwohner: ja, definitiv. Ein großes Plus. Aber nur in kleinen Lokalen mit wenig gestressten Besitzern...

* Babybett: ja.

Kurzer Kommentar noch zum öffentlichen Verkehr.

Das Ganze beginnt ja schon einmal sensationell mit Charles de Gaulle Airport: wenn man den RER nehmen will (eine Art S-Bahn ins Stadtzentrum hinein), darf man sich nicht erwarten, dass bei den Tickets eine Sperre gibt, wo einem vielleicht - auf Französisch oder Englisch, egal, zumindest IRGENDWIE - erklärt wird, wie man da mit Gepäck und/oder Kinderwagen durchkommt. Also: man steckt sein Ticket rein in diese Glasbox, nimmt das Ticket wieder mit, geht dann mitsamt dem Gepäckstück rein, wartet, bis sich die Tür schließt und man quasi in der Glasbox eingeschlossen ist, und dann geht die vordere Tür auf. Ok. Geschafft.

Nächste Herausforderung: ok wir sind hier an der Sbahnstation, die direkt vom Flughafen in die Stadt führt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Reisenden mit Gepäck unterwegs sind, ist daher wohl 99%. Dh es gibt hier sicher nicht nur diese unglaublich steile, schmale Rolltreppe, wo einem die Haare zu Berge stehen, wenn man sich vorstellt, wie man hier mit Kinderwagen, 2 Koffern und Handgepäck runterkommen soll. Hier gibt’s doch siiiicher einen Lift. Ääääh. Ok. Also nicht. Hmm. Kind umschnallen, Handgepäck auf den Kinderwagen drauf, und ab geht’s. Wir sind ja flexibel.

Noch ein kurzer Kommentar zur UBahn:

Das Metrosystem in Paris ist ja sensationell gut, alle paar hundert Meter eine UBahnstation. Die Strecke zwischen den Stationen ist gering, es gibt viele Umsteigemöglichkeiten, die Taktung der Züge ist recht eng. Dh von z.B. "Ecole Militaire" (Linie 8, am Ende des Parks, in dem der Eiffelturm steht) bis "Hotel de Ville" (Linie 1, in der Nähe von Notre Dame) braucht man ca 15min. Sensationell. Und mit einem Tragetuch oder wenn das Kind an der Hand geht ist ja alles kein Problem. Aber was, wenn man mit einem Kinderwagen unterwegs ist? Wir haben den Test gemacht, mit Bugaboo, der ja schon einer der schmälsten und wendigsten Kinderwägen überhaupt ist.

Eingang: Natürlich keine Rolltreppen. Also schon einmal 15-20 Stufen runtertragen.

Danach bei den Sperren: Durch die normalen Sperren passt man mit Kinderwagen nicht durch. Da hätte wahrscheinlich schon jemand ein Problem, der 100kg hat. Jetzt wissen wir, warum die Franzosen so schlank sind.

Es gibt aber eine Glastür neben den Sperren. Dh Ticket bei der Sperre durchziehen, aber nicht durch die Sperre gehen, sondern zur Glastür hin, das Intercom bedienen, den Chef der Station bitten, die Tür zu öffnen und dann mit dem Kinderwagen durchgehen. Manchmal gibt’s kein Intercom und man muss beim Ticketschalter fragen. Viel Glück für die Besucher, die kein Französisch können...

Danach wieder Stufen, um auf den Bahnsteig zu kommen.

In der Metro selbst ists jedoch unkompliziert.

Beim Aussteigen dann die nächste Herausforderung: Jede UBahnstation hat x Ausgänge. Das Gute: man muss nicht mehr durch eine Sperre. Und: manche Ausgänge haben sogar Rolltreppen. Das Schlechte: die meisten Ausgänge sind so eng, dass man mit einem Kinderwagen, der nur geringfügig breiter als der Bugaboo ist, stecken bleiben würde. In diesem Fall müßte man sich erst recht wieder einen Ausgang mit Glastür und Intercom suchen. Aber welcher der x Ausgänge ist es denn?

Fazit: entweder man nimmt sein Kind im Tragegestell oder in einem superschmalen Buggy oder fährt doch lieber mit dem Bus. Und viel Spaß, wenn man Gepäck hat.

Aber abgesehen davon: war’s empfehlenswert? Absolut. Die Parks, das bunte Treiben, das andere Essen… Für Kinder, selbst wenn sie noch unter 2 sind, definitiv empfehlenswert. Ein Tipp aber: kein Hotelzimmer nehmen, denn die sind sehr klein, und mit Zusatzbett und Kinderwagen nicht bewohnbar. Stattdessen ein kleines Apartment mieten. Kostet weniger als ein Hotelzimmer und ist besonders mit Baby/Kleinkind perfekt – allein schon wegen Wasserkocher, Kühlschrank und Ausziehcouch im Wohnzimmer…

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