Dienstag, 30. Juni 2009

Männer und Kinderbetreuung

Angesichts der Einführung einer weiteren Kindergeldvariante in Österreich - wir folgen wieder einmal mit der typischen Verspätung unseren deutschen Nachbarn - stellt sich die Frage, warum es bisher so wenig männliche Kindergeldbezieher gab/gibt.
Zu den möglichen Ursachen hier ein interessanter Kommentar:
http://diepresse.com/home/meinung/kommentare/leitartikel/491209/index.do?from=suche.intern.portal

Der Mangel an verläßlichen und leistbaren Kinderbetreuungsoptionen spielt sicher eine große Rolle. Und die Tatsache, dass Österreich noch immer einem sehr traditionellen Rollenbild verpflichtet ist.

Folgendes hätte ich dem noch hinzuzufügen:
  • Ein einkommensabhängiges Kindergeld mag zwar den Verdienstausfall abdecken - oder zumindest teilweise -, aber nicht die doch sehr hohen Mehrkosten, die durch das Kind entstehen. Das heißt, im Zweifelsfall werden die Eltern ein nicht noch ein größeres Loch ins Familienbudget reißen, sondern sich für die Variante entscheiden, die (wenn auch nur kurzfristig!) unterm Strich mehr Cash bringt.
  • Angst der Männer, sich die Job- oder Karrierechancen zu verderben, wenn sie aufmucken und Kinderbetreuungszeit beanspruchen wollen. Angesichts der Geburt des Kindes und des Wegfalls eines Gehalts steigt sowieso schon die Existenzangst der Männer. Also wird tunlichst alles vermieden, was den Chef verärgern könnte (auch wenn manche Ängste durchaus übertrieben sein dürften).
  • Gehaltsunterschiede zwischen den Partnern - wenn der Mann eine Führungsrolle hat und die Frau Physiotherapeutin ist, na wer wird dann in Karenz gehen?
  • Die Tatsache, dass nicht ein Partner in Karenz und der andere in Elternteilzeit sein kann (!), macht dies für denjenigen Partner, der in Elternteilzeit ist (also meistens die Mutter) definitiv unattraktiv. Gerade in wirtschaftlich schwachen Zeiten kann die Elternteilzeit durchaus wichtig werden.
  • Viele Paare diskutieren dies einfach nicht durch - die Frau weiß noch nicht ganz, was sie will, oder ist von Anfang an desillusioniert, und der Mann ist sich unsicher und will sich nicht aufdrängen.
  • In einem der raren Momente der Ehrlichkeit geben die Eltern durchaus zu, dass 8-10h im Büro zu hocken WESENTLICH bequemer ist als sich 8-10h um ein Kind zu kümmern. Warum sollte der Mann also etwas verändern, das ihm vertraut ist, prestigeträchtig ist, mehr Kohle bringt und bequemer ist?
  • Nicht zu vergessen die Genügsamkeit der Frauen - so quasi ich hab mir mein Bett gemacht (und bin schwanger geworden), jetzt muss ich drin liegen (und alles akzeptieren, mit dem ich hier konfrontiert werde - und dieses Verhalten steigt, je weniger Geld die Frau karenzbedingt nachhausebringt!).
Wirklich ändern wird sich erst etwas, wenn Kinderbetreuung mit rationalen Augen gesehen wird: ohne hysterische Mutterkuh-Liebe, ohne Konkurrenzkampf zwischen den Eltern, mit großem Respekt vor der Leistung derer, die sich um die Kinder kümmern und mit etwas mehr Entspanntheit. Das einkommensabhängige Kindergeld ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber bei weitem noch nicht ausreichend.

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